Mit der internationalen Tagungsreihe „Handelsplatz und Weltkulturerbe – Hafenstädte von der Antike bis zur Gegenwart“ untersuchten die Universitäten Vechta, Bordeaux Montaigne und Karthago in Kooperation mit dem Zentrum für Historische Reiseforschung (ZHRF) in den Jahren 2025 und 2026 drei bedeutende Hafenstädte, die stellvertretend für unterschiedliche Epochen der europäischen, mediterranen und atlantischen Geschichte stehen. Die von der Deutsch-Französischen Hochschule geförderte interdisziplinäre Veranstaltungsreihe für Nachwuchswissenschaftler:innen verband verschiedene wissenschaftliche Perspektiven und machte zugleich deutlich, dass Hafenstädte seit der Antike weit mehr waren als Umschlagplätze für Waren. Sie waren Knotenpunkte wirtschaftlicher Innovation, Orte kulturellen Austauschs und Zentren politischer, religiöser und gesellschaftlicher Entwicklungen unterschiedlichster Art.
Autor: Johanna Luhmann
Die Logik des Misslingens – Ein Besuch im Stadtmuseum Oldenburg
„Den Wandel begleiten – Identität gestalten“, das Motto subsumiert die Prämissen kommunaler und regionaler Museumsarbeit in den kommenden Jahren, vielleicht Jahrzehnten“, schrieben Friedrich Scheele und Andreas von Seggern im Jahre 2015 anlässlich des hundertjährigen Gründungsjubiläums über „das Stadtmuseum der Zukunft“ in Oldenburg. Schon damals war klar, dass das ursprünglich auf einer umfangreichen Kunstsammlung sowie zwei großbürgerlichen Villen des Museumsgründers Theodor Francksen aufbauende Stadtmuseum neu ausgerichtet werden sollte. 1968 war es durch den Anbau der Neuen Galerie zu einem Ort moderner Kunst geworden, war dann 1986 durch den Ankauf einer benachbarten Villa erweitert worden, bevor 1995 die Neue Galerie und die historischen Villen durch den Bau des sogenannten Hüppe-Saals miteinander verbunden worden waren. Fünf Jahre später war das Horst-Janssen-Museum eröffnet worden, dessen Eingang seitdem von beiden Museen genutzt wurde. Nach dem politischen Beschluss im Jahr 2015, ein neues Stadtmuseum zu errichten, startete das Vorhaben mit einer Fachtagung und einem partizipativen Stadtlabor, eine Machbarkeitsstudie wurde erstellt und zwei Jahre später der architektonische Siegerentwurf für den Neubau des Museums prämiert. Nach einer längeren Vorlaufzeit wurde das alte Stadtmuseum 2021 geschlossen, die historischen Villen wurden für Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten geräumt, die Neue Galerie 2022 abgerissen und anschließend mit dem Neubau begonnen, der jetzt Anfang Juni 2026 offiziell eröffnet wurde. Die baulichen Veränderungen wurden öffentlichkeitswirksam begleitet von einem neuen Namenskürzel SMO (Stadtmuseum Oldenburg) und einem auffällig in Orange gehaltenen Corporate Design.
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Vom Weideplatz zur Hafenstadt: Ein Besuch im ostfriesischen Leer
Am 9. Juni 2026 besuchte eine kleine Delegation des Zentrums für Historische Reiseforschung (ZHRF) in Begleitung des ehemaligen tunesischen Botschafters bei der UNESCO, Prof. Dr. Ghazi Gherairi, die kleine ostfriesische Stadt Leer, die, an Ems und Leda gelegen, durch ihren Seehafen über viele Jahrhunderte vom Handel und der Schifffahrt geprägt wurde und heute insbesondere für ihre historische Altstadt geschätzt wird. Im Kontext von drei wissenschaftlichen Tagungen, die das ZHRF in Kooperation mit den Universitäten von Karthago, Bordeaux und Vechta zu Hafenstädten organisierte, die zum Weltkulturerbe zählen, und auch anlässlich der Teilnahme unseres tunesischen Gastes an der Internationalen Woche der Universität Vechta, wollten wir ihm in diesem Jahr nochmals einen Einblick in die Kultur und Geschichte Ostfrieslands bieten.
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Port de la lune – eine Reise in die Weltkulturstadt Bordeaux
Der Hafen des Mondes (Port de la Lune) steht seit dem Mittelalter stellvertretend für die südwestfranzösische Stadt Bordeaux, die malerisch an einer sichelförmigen Biegung des Flusses Garonne liegt, ehe dieser sich circa 15 km nördlich der Stadt mit der Dordogne vereint und in den Atlantik mündet. Als Zeugnis der reichen maritimen Geschichte ziert der Hafen das Wappen der Stadt und ist bis heute ein wesentlicher Bestandteil von Bordeaux‘ Identität. 2007 wurde der Port de la Lune mit seinen historischen Kais entlang der Garonne und über 350 umliegenden (neo)klassizistischen Baudenkmälern zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt.
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Eine studentische Bildungsreise: Ausstellung über den Romantiker Friedrich Nerly
Die Aqua Claudia gehörte sicherlich zu den herausragenden Werken der Wasserbautechnik der römischen Antike und zählt zu den vielen imposanten Bauwerken dieser Zeit. Der Romantiker Friedrich Nerly setzte die Ruinen des Aquädukts im 19. Jahrhundert als einer der ersten großformatig ins Bild. Diesem, in Deutschland relativ unbekannten Maler und einem Bauwerk, das nach nur rund sechsjähriger Bauzeit 52 n. Chr. feierlich eingeweiht wurde und sauberes Wasser über eine Entfernung von knapp 70 Kilometern bis in das westlich gelegene Rom transportierte, widmet sich im Frühjahr 2026 eine Ausstellung in der Bremer Kunsthalle, die von einer kleinen studentischen Reisegruppe aus Vechta als Vorbereitung auf eine Exkursion nach Norditalien besucht wurde …
Niederländisch-deutsche Grenzgänge: Groninger Literaturwissenschaftler zu Besuch im ZHRF
Grenzen, Grenzziehungen und kriegerische Auseinandersetzungen um politische Macht- und geographische Herrschaftsbereiche waren für weite Teile der Geschichte prägend. Ebenso ließe sich die Vergangenheit aber auch als eine Geschichte von grenzüberschreitender Migration und Kooperation, von Kulturkontakten und -transfer erzählen – eine Perspektive, die für Forschende, die sich mit der Thematik des Reisens beschäftigen, besonders reizvoll und ergiebig ist. Umso mehr freuten sich die Mitglieder des ZHRF über den kollegialen Austausch mit Bart Ramakers von der Rijksuniversiteit Groningen, der im Juni zu Gast in Vechta war, um von einem seiner aktuellen Forschungsprojekte zu berichten.
Ramakers, der an den Universitäten Nijmegen und Toronto Niederländische Sprache und Literatur sowie Mittelalterstudien studiert hatte, beschäftigt sich als Professor für ältere niederländische Literatur mit Theatertraditionen und mittelalterlichen Tierfabeln ebenso wie mit dem niederländischen Anatom der Aufklärungszeit Petrus Camper (1722-1789). Vielseitig an verschiedenen Aspekten der niederländisch-deutschen Kulturgeschichte interessiert, arbeitet er in Kooperation mit der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg und der Johannes a Lasco-Bibliothek in Emden in dem Projekt Grenzgänger in Ostfriesland – Alltag und Kultur in der Frühen Neuzeit. Außerdem hat Ramakers das Konsortium Noordergraf gegründet, in dem die Universität Groningen mit einer Reihe von Kulturerbe-Einrichtungen zusammenarbeitet, um die Erhaltung von Friedhöfen zu fördern.
Insbesondere Ostfriesland, seit jeher nordwestlichste Ecke deutscher Lande, spielte in der Frühen Neuzeit eine wichtige Rolle als Verbindung zu den Niederlanden. Im Süden von weiten Moorlandschaften und im Norden von der See begrenzt, fungierte die Region als transkultureller Schmelztiegel, in dem sich Alltag, Sprache, Wirtschaft und Kultur stark mit niederländischen Einflüssen vermischten. Die Tradition der Friesischen Freiheit, eine frühe Form bäuerlicher Selbstverwaltung, prägte bis weit über das Mittelalter hinaus nicht nur die Mentalität der Menschen in der Region. Vielmehr war deren Aufgeschlossenheit und Liberalität auch der Grundstein für wirtschaftliche Prosperität und kulturelle Vielfalt. So wurde die Stadt Emden dank des kaufmännischen Wissens der zugewanderten calvinistischen Glaubensflüchtlinge aus den Spanischen Niederlanden zu einer der reichsten europäischen Hafenstädte des 16. Jahrhunderts. Der rege Austausch in dem grenzüberschreitenden, als durchlässig erlebten Grenz- und Kulturraum hielt bis ins 19. Jahrhundert an.
Aus den ersten Jahrzehnten dieses Jahrhunderts stammen jene Reiseberichte, deren Entstehungskontext Bart Ramakers im Zentrum für Historische Reiseforschung vorstellte. Im Jahr 1809 waren fünf Groninger Studenten, darunter der Naturforscher Theodorus van Swinderen (1784-1851), auf Studienreise zu deutschen Universitäten, um sich vor Ort über deren Struktur, Ausstattung und Arbeitsweise zu informieren und selbst einige Vorlesungen zu besuchen. Vorrangiges Ziel war das damals westfälische Göttingen, in dem unter anderem der Anatom und Anthropologie Johann Friedrich Blumenbach (1752-1840) lehrte. Nach ihrer Rückkehr publizierte van Swinderen die gewonnenen Reiseeindrücke in Briefform: Brieven geschreven op eene wandeling door een gedeelte van Duitschland en Holland in den Zomer van 1809, Groningen 1810, gewidmet ihrem verstorbenen Reisegefährten Jan Jacob Modderman.

Abb.: Publikation: Theodorus van Swinderen, Brieven (1810) – Quelle: Koninklijke Bibliotheek/Niederländische Nationalbibliothek, Den Haag

Foto: Bart Ramakers – Quelle: ZHRF/BS
Nachdem Theodorus van Swinderen 1814 von der Universität Groningen zum Professor für Naturgeschichte ernannt worden war, regte er seine Studierenden dazu an, seine Deutschlandreise von 1809 zu wiederholen. Der Jahre zuvor veröffentlichte Bericht diente nun als hilfreicher Reiseführer. Auch auf diesen Studienfahrten der Jahre 1816 beziehungsweise 1819 entstanden Reiseberichte, die bis heute im Groninger Archieven beziehungsweise im Frysk Histoarysk en Letterkundich Sintrum, kurz Tresoar, in Leeuwarden erhalten sind. Im Gegensatz zum förmlichen, zur Publikation vorgesehenen Bericht van Swinderens enthalten diese Manuskripte auch viele persönliche Eindrücke, Anekdoten und detailreiche Schilderungen des studentischen Alltags. Beschrieben werden unter anderem Kleidungsstil und fechtwütige Duellierlust der Göttinger Studenten, Blumenbachs anatomische Schädelsammlung, die Ausstattung besuchter Landsitze und Herrenhäuser, aber auch die geologische Beschaffenheit der Landschaft und deren Ausbeutung durch Bergbau. Insgesamt, so Ramakers, lassen sich die Reiseberichte gleichermaßen als Dokumente der Spätaufklärung als auch der Frühromantik lesen, in denen sich naturwissenschaftliches Interesse mit der romantischen Begeisterung für Naturerfahrung auf Wanderschaft paart.
Als nächster Schritt ist die digitale Edition der handschriftlichen Aufzeichnungen, ein Abgleich mit nicht veröffentlichten Notizen van Swinderens sowie die Ergänzung der Digitalisate um Hintergrundinformationen und historisches Kartenmaterial geplant. Inwiefern ähnliche Vorhaben des ZHRF zur KI-gestützten Publikation frühneuzeitlicher Reisesammlungen zu einer gewinnbringenden Kooperation führen können, werden weitere gemeinsame Treffen im Sinne einer niederländisch – norddeutschen Kooperation zeigen.
17.-19.06.26 | Handelsplatz und Weltkulturerbe: Von der Speicherstadt zur Hafen-City
Die Universitäten Vechta (Deutschland) und Bordeaux Montaigne (Frankreich) veranstalten vom 17. – 19. Juni 2026 in Kooperation mit der Universität Karthago (Tunesien) und dem Zentrum für Historische Reiseforschung (ZHRF) eine von der Deutsch-Französischen Hochschule (DFH) geförderte wissenschaftliche Nachwuchstagung zum Thema: „Handelsplatz und Weltkulturerbe: Von der Speicherstadt zur Hafen-City: Arbeits- und Lebenswelten im Hamburger Hafen im 19. und 20. Jahrhundert“.
Veranstalter : Universität Vechta, Deutschland; Bordeaux Montaigne, Frankreich; Universität Karthago, Tunesien; Zentrum für Historische Reiseforschung (ZHRF)
Ausrichter : Universität Vechta
Gefördert durch : Deutsch-Französische Hochschule
Findet statt : In Präsenz, Warburg-Haus Hamburg
Vom – Bis : 17.06.2026 – 19.06.2026
28.-30.05.26 | Handelsplatz und Weltkulturerbe: Bordeaux in der Frühen Neuzeit
Die Universitäten Bordeaux Montaigne (Frankreich) und Vechta (Deutschland) veranstalten vom 28. – 30. Mai 2026 in Kooperation mit der Universität Karthago und dem Zentrum für Historische Reiseforschung (ZHRF) eine von der Deutsch-Französischen Hochschule (DFH) geförderte wissenschaftliche Nachwuchstagung zum Thema: „Handelsplatz und Weltkulturerbe: Bordeaux in der Frühen Neuzeit – Hafenstadt zwischen großbürgerlicher Prosperität und kolonialer Prägung“.
Veranstalter : Universität Bordeaux Montaigne; Universität Vechta; Universität Karthago; in Kooperation mit dem Zentrum für Historische Reiseforschung (ZHRF)
Ausrichter : Universität Bordeaux Montaigne
Gefördert durch : Deutsch-Französische Hochschule
Findet statt : In Präsenz
Vom – Bis : 28.05.2026 – 30.05.2026
08.04.26 | Das ZHRF in der OM

Foto: C. Heinzel / OM.
Ausschnitt & Bearbeitung: J. Luhmann / ZHRF
Von Ibn Fadlān bis Humboldt: Vechtaer Forscher durchforsten Reiseliteratur
Das Zentrum für Historische Reiseforschung hält Informationen über andere, teils nicht mehr existierende Kulturen, fest – und will jetzt einen neuen wissenschaftlichen Standard schaffen.
Christoph Heinzel | 08.04.2026
Call for Papers | Handelsplatz und Weltkulturerbe: Von der Speicherstadt zur Hafen-City
Die Universitäten Vechta (Deutschland) und Bordeaux Montaigne (Frankreich) veranstalten vom 17. – 19. Juni 2026 in Kooperation mit der Universität Karthago (Tunesien) und dem Zentrum für Historische Reiseforschung (ZHRF) eine von der Deutsch-Französischen Hochschule (DFH) geförderte wissenschaftliche Nachwuchstagung zum Thema: „Handelsplatz und Weltkulturerbe: Von der Speicherstadt zur Hafen-City: Arbeits- und Lebenswelten im Hamburger Hafen im 19. und 20. Jahrhundert“.
Veranstalter : Universität Vechta, Deutschland; Bordeaux Montaigne, Frankreich; Universität Karthago, Tunesien; Zentrum für Historische Reiseforschung (ZHRF)
Ausrichter : Universität Vechta
Gefördert durch : Deutsch-Französische Hochschule
Findet statt : In Präsenz, Warburg-Haus Hamburg
Vom – Bis : 17.06.2026 – 19.06.2026
Deadline : 15.03.2026
Call for Papers | Handelsplatz und Weltkulturerbe: Bordeaux in der Frühen Neuzeit
Die Universitäten Bordeaux Montaigne (Frankreich) und Vechta (Deutschland) veranstalten vom 28. – 30. Mai 2026 in Kooperation mit der Universität Karthago und dem Zentrum für Historische Reiseforschung (ZHRF) eine von der Deutsch-Französischen Hochschule (DFH) geförderte wissenschaftliche Nachwuchstagung zum Thema: „Handelsplatz und Weltkulturerbe: Bordeaux in der Frühen Neuzeit – Hafenstadt zwischen großbürgerlicher Prosperität und kolonialer Prägung“.
Veranstalter : Universität Bordeaux Montaigne; Universität Vechta; Universität Karthago; in Kooperation mit dem Zentrum für Historische Reiseforschung (ZHRF)
Ausrichter : Universität Bordeaux Montaigne
Gefördert durch : Deutsch-Französische Hochschule
Findet statt : In Präsenz
Vom – Bis : 28.05.2026 – 30.05.2026
Deadline : 15.02.2026
